‘ne halbe Million ist fast nix

Viele Menschen bekommen es einigermaßen hin, einfache Rechenarten anzuwenden, und mit Geld umzugehen. Aber wenn sie beides kombinieren sollen, setzt es bei ihnen aus.

Bei meiner jüngsten Argumentation, warum Abfindungen bei Kündigungen bis zu 500.000 Euro steuerfrei sein sollten, fiel mir das wieder auf. Daher dieses kleine Rechenbeispiel. Alle Zahlen Stand 2016.

Nehmen wir einen Mittfünfziger (oder eine Mittfünfzigerin, Geschlecht ist hier m.E. egal). Wenn jemand in diesem Alter auf dem deutschen Arbeitsmarkt “freigesetzt” wird, sind die Chancen vor dem offiziellen Renteneintritt noch eine Festanstellung zu finden, minimal – und die Rentenansprüche werden zudem noch gekürzt.

Sagen wir, jemand bekommt mit 55 Jahren nach einem Vierteljahrhundert Arbeit bei einem Arbeitgeber eine Abfindung von 300.000 Euro. Die meisten werden wohl eher weniger bekommen.

Erst mal muß diese versteuert werden.

Dann gilt es, damit bis zum Renteneintritt durchzuhalten – der aktuell auf 67 Jahren steht, aber (Karrotte vor Esel, Hamsterrad…) immer weiter verschoben wird.

300000 Euro / 12 Jahre / 12 Monate = 2083 Euro pro Monat. Brutto. Davon sind zu zahlen:

Miete, Heiz- und Nebenkosten, Versicherungen (), Fahrzeug (ob Auto oder ÖPNV), Krankenkasse, “IGEL”-Leistungen die mit dem Alter auch eher steigen, und dann natürlich einfacher Grundbedarf – Lebensmittel, Hygiene, gelegentlich Kleidung, Haushaltseinrichtung usw. – das ganze normale Leben eben.

Viele werden das mit 2083 Euro hinbekommen. Nicht, wenn man bislang in Städten wie München gelebt hat; da muß man wohl aus der Heimat wegziehen. Aber in vielen Gegenden kann man mit 2000 Euro monatlich noch ganz gut über die Runden kommen – der Bruttobedarf eines Hartz-IV-Empfängers sind ja 780 Euro monatlich (Quelle: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialberichterstattung/Sozialberichterstattung.html und Unterseiten, Stand 2015).

Nun darf man die Abfindung aber nicht einfach in voller Höhe behalten – nein, sie muß versteuert werden. Von 300.000 bleiben nach  Versteuerung noch 180.000 übrig (mit “Fünftelregelung” etwas mehr).

Rechnen wir nun die 180.000 auf die zwölf Jahre um, sieht es weniger rosig aus:

180.000 / 12 Jahre / 12 Monate = 1255 Euro pro Monat. Brutto, wie oben. Und da schon eine Krankenversicherung gerne >200 Euro monatlich kostet, wird es da schon bald knapp.

Was ich hier grob berechne, ist nicht die steuerlich finanzierte staatliche Absicherung gegen Armut – das ist, was jemand nach Jahrzehnten Arbeit vielleicht, mit viel Glück und Verhandlungsgeschick bekommt. Die meisten werden deutlich weniger bekommen – eher etwas fünfstelliges.

Aber rechnen wir den “guten” Fall aus, sagen wir: die Abfindung wäre eine halbe Million. “Wow”. Die Besteuerung darauf beträgt 209.216 €, mit “Fünftelregelung” 168690 Euro. Bleiben nach erstem Steuerabschöpfen noch 331310 Euro, und wieder auf 12 Jahre verteilt monatlich 2300 Euro.

Von 2300 im Monat läßt sich auskommen.

Um 2300 zu behalten bis zum Renteneintritt (mit massiv reduzierter Rentenhöhe!) muß die Abfindung aber eine halbe Million betragen.

So gigantisch viel Geld ist das dann also doch nicht.

Und nehmen wir mal die Faustformel “Höhe der Abfindung = ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr” – um auf die obengenannten 500.000 zu kommen, müßte jemand also z.B. 30 Jahre lang *sechzehntausend Euro monatlich* bezogen haben.
Das werden nur sehr wenige sein, denen das bisher möglich ist.

Meine Ausgangsüberlegung war diese:
Wenn man endlich das Getrickse und Getue mit Auffanggesellschaften usw bleiben ließe, statt ein Dutzend Verwalter mitzufinanzieren eine echte, ehrliche Kündigung ermöglicht – die dann entsprechend höhere Abfindung mit sich bringen muß, *und* der Staat diese Abfindung dann bis zu einer Höhe von 300.000 Euro nicht mehr besteuern würde, wäre in mehrere Richtungen etwas gewonnen.

Naja, wird wohl nicht passieren. Eher höhere Besteuerung und mehr Menschen in Abhängigkeit von Transferleistungen – als selbstverstärkendes System.

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