Literatur nach Geschlecht.

Mein Bücherregal ist nicht nach Geschlechtern geordnet. Auch nicht nach Nationalitäten, oder nach Religion der Autoren.

Aber da dieser Artikel in der SZ names “Männer, lest dieses ‘Frauenbuch’! “ die unschöne Perspektive “Welches Geschlecht hat der Verfasser des Buches?” einnimmt, folge ich der Argumentation willen einmal dieser Sichtweise.

vor dem Regal stehend

Als ich das erste Mal Evelyn Waugh las, wußte ich nicht, daß dieser Evelyn ein Mann war. Es interessierte mich auch nicht. Als ich das erste Mal Wendy Carlos hörte und dachte, das klingt ja wie Walter Carlos – da war das (vermutete) Geschlecht weder Grund zur Auf- noch Abwertung. Meist habe ich gelesen und gehört, was inhaltlich, stilistisch gefiel – und nur wenn es gut war, habe ich mir den Autorennamen gemerkt, um mehr aus der gleichen Quelle zu trinken.

Warum sind dann nur knapp ein Viertel der Bücher in meinem Regal von Frauen verfaßt? Lasse ich fairnesshalber die Serien beiseite, zähle also unterschiedliche Autoren statt einzelne Bücher, wird das Verhältnis besser – aber ist immer noch nur ein drittel weibliche Verfasser gegenüber zwei Drittel männlichen.
Fachbücher und Wissenschaft scheinen noch häufiger von Männern geschrieben, aber auch bei der Belletristik überwiegen in meiner Bücherauswahl die männlichen Verfasser. Warum?

abgewandt

Ich denke an all die Bücher, die ich nicht gekauft habe. Phantastik liebe ich, aber Kitsch-Fantasy liegt mir gar nicht: und das ist ein Genre, das rappelvoll von Autorinnen ist. Ratgeber, Schmonzetten, der “leichte Liebesroman”, das “Familiendramolett”, die “unterhaltsame Sommerlektüre”: für mich schade um’s Papier, aber viele mögen das offenbar. Auch da: vorwiegend Autorinnen.

Bei Lyrik scheint das Geschlechterverhältnis ausgeglichen – jedenfalls in meiner Auswahl. Bei Krimis übrigens auch.

Die “hohe Literatur” aber, das Zeug, das gelegentlich auch Literaturnobelpreise bekommt – da sind Autorinnen selten. Warum?

subjektive Vermutung

Vielleicht, weil sie meist lieber lesbar und unterhaltsam schreiben und seltener das Risiko eingehen, eigensinnig “das ist aber richtig so!” ihr Ding durchzuziehen. Aber das ist, was die extremen Glücksfälle ermöglicht – wie auch Unmengen an unleserbarem, was aber rasch verschwindet oder nicht verlegt wird.

Also, mein vorläufiges subjektives Fazit: Frauen, schreibt sperriger! Riskiert, daß keiner lesen mag, was ihr schreibt – das tun ohnehin alle Autoren. Aber wenn ihr die große Weltliteratur schreiben wollt, muß wohl ein Quentchen Selbstüberschätzung dabei sein.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s