Mit dem “x” wird das nix.

Es gibt Frauen, Männer, beides in jung und alt – und es gibt dazwischen und auch jenseits andere Geschlechter. Die sind nicht eingebildet, sondern biologische Realität, und kommen auch bei anderen Spezies vor.

Selten ist nicht unnatürlich.

Einige Menschen, die weder Mann noch Frau sind, arrangieren sich mit einer der normalen Zuschreibungen, weil es einfacher ist. Andere wollen so wie sie sind, mit ihrer vom binären Geschlechtermodell abweichenden Identität akzeptiert werden.

Bislang sah ich da nicht allzuviele Probleme, außer mangelnder Toleranz bei den üblichen Verdächtigen unter den Mitmenschen einerseits – und bei kurzsichtiger Bürokratie andererseits. An letzterer ließ sich über die Jahre etwas ändern; beispielsweise ist in den MRTD-Codes der ICAO, die international bei Flugpassagieren eingesetzt werden, unter “sex” schon länger außer “M” und “F” ein “X” möglich.

Für mich ist die dritte Möglichkeit schon ein richtiger Schritt; meine Frage geht dabei aber eher in die Richtung „Warum überhaupt Geschlecht angeben – wen geht das etwas an?“

(Über dieses Thema und die Initative Neuseelands, „Sex“ der reisenden Person nicht mehr anzuzeigen – was von Deutschland und UK abgelehnt wurde – vielleicht später mehr.)

Jedenfalls kann man den sachlichen Problemen auch mit sachlichen Lösungen begegnen.

LiebeX, das taugt nix

Aktuell wird aber ein Sprachthema daraus gemacht. Lann Hornscheidt macht es selbst zum Thema, Journalisten und Blogger greifen es auf – und da Sprache mich nicht kalt läßt, jetzt dieser Text.

„Professor“ kennzeichnet nicht männliches Geschlecht = Sexus, sondern ist erst einmal generisch und hat nur das männliche Genus.
Daher ist es auch unsinnig, sich hierfür einen Ersatz ausdenken zu wollen. (Den Wust an Unfug, der aus Hörensagen-Interpretationen der linguistischen Relativität entsteht, will ich nicht an dieser Stelle ausbreiten. Das verdient eine ganz eigene Behandlung.)

Bei den persönlichen Anreden gibt es aber schon eher ein Problem. Gerade wenn sie besonders höflich oder freundlich sein sollen, beziehen sie sich auf das Geschlecht (Sexus) der angesprochenen Person.
Mit nüchternen Anreden wie “Hallo” läßt sich dieses Problem noch einigermaßen vermeiden. Es ist damit aber nicht gelöst.

Für alle anderen Sprachnutzer die sonst recht gut funktionierende Sprache zu verdrehen, halte ich für kontraproduktiv. Dieser Ansatz stammt zwar aus dem von Professor Hornscheidt gelehrten Fach, trägt aber meiner Ansicht nach nicht zur Lösung, sondern zur Aufblähung des Problems bei.

Mut zur Lücke? Mut zum Schließen!

Wo ich aber eine echte Lücke sehe, sind die Pronomen. Professor Hornscheidt mag aus meiner Sicht übertreiben und in die falsche Richtung agieren, aber ihrX – – tja, da wird es problematisch. Bei Dingen können sich Pronomen weiter auf das Genus beziehen, aber bei Personen haben wir die sprachliche Konvention, uns auf jeweiligen Sexus zu beziehen.

Dort, genau dort sehe ich tatsächlichen Anlaß für eine Spracherweiterung, ergänzende Wortschöpfungen, um über und mit Personen jenseits der binären Geschlechter respektvoll reden zu können.

Ob man dafür die sächliche Form verwenden kann? Das wäre die einfachste, naheliegendste Lösung. Aber ist sie respektvoll genug?

Falls nicht, halte ich Wortneuschöpfungen für eine Möglichkeit. Diese sollten aber flüssig aussprechbar und gut zu schreiben sein, und sich in vorhandene Sprache einfügen. Und dazu würde ich mich gerne mit kreativen, nicht verbohrten Menschen unterhalten – vielleicht finden wir eine Lösung, finden wir passende Wörter.

In einem bin ich relativ sicher: Sie werden nicht auf x enden.

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2 Responses to Mit dem “x” wird das nix.

  1. moonopool says:

    > Und dazu würde ich mich gerne mit kreativen, nicht verbohrten Menschen unterhalten

    Andere haben das schon getan:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/profx-als-geschlechtergerechte-sprache-fuer-professoren-13268220.html?printPagedArticle=true

    • quuux says:

      Dieser Artikel war mein Ausgangspunkt, Anlaß meines Blogposts. Ich wollte das Thema allerdings allgemeiner angehen.

      “Profx” Hornscheidt selbst scheint für ein Gespräch zugänglich, anders als die übrigen zitierten Personen. Zwar fordert Hornscheidt an einer Stelle auch das Gendern für alle Geschlechter (m.E. Unfug) – aber das legitime Anliegen, für sich selbst und andere Personen außerhalb des binären Schemas fehlende Pronomen zu ergänzen scheint doch Kernthema zu sein.

      Doch der Artikel handelt nur vom Anliegen, Reaktionen und Konflikt – konstruktive Ansätze kommen nur in einer Form vor: im “x” für alle. Das ist systematisch und ideologiekonform, aber ich finde es nicht sonderlich kreativ oder praxistauglich (wie deklinieren?). Mit Wortspielen, Ausprobieren und mit Sprachgefühl kommt man einer brauchbaren Lösung vermutlich näher.

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